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Gestaltung:

Harald KH Harms, Klingenmünster

 

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Wir möchten Sie dazu einladen, ein wenig auf August Beckers Spuren zu wandeln und Klingenmünster einmal aus historischer Sicht zu entdecken. Der Rundgang führt Sie zu den wichtigsten Orten der ereignisreichen Geschichte des über 1300 Jahre alten Dorfes. Die hier vorgeschlagene Runde ist leicht in ein bis zwei Stunden zu bewältigen - mit Abstechern zur Nikolauskapelle und zum Bergfriedhof etwa eine Stunde mehr - und eignet sich bestens für einen Nachmittagsspaziergang. Lassen Sie sich ausreichend Zeit, um die beschriebenen Sehenswürdigkeiten in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Beachten Sie bitte, daß die meisten der beschriebenen Gebäude in Privatbesitz sind und deshalb nur von außen besichtigt werden können. Kirche, Kloster und Nikolauskapelle können auch von innen besichtigt werden, sofern man sich vorher im katholischen Pfarramt anmeldet. Hierbei ist der Tourismusverein oder der Freundeskreis Kloster Klingenmünster gerne behilflich. Wenden Sie sich gegebenenfalls an das Tourismusbüro.

Der Rundgang

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Ein Klick auf das jeweilige Symbol bringt Sie unmittelbar zu der zugehörigen Textstelle der Erläuterungen.

Der Rundgang im historischen Ortskern beginnt und endet am August-Becker-Geburtshaus, dem heutigen Rathaus in der Ortsmitte von Klingenmünster.

Die roten Punkte kennzeichnen den Wegverlauf.

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August-Becker-Geburtshaus und -Museum

Das Gemeindehaus/August-Becker-Geburtshaus, Steinstr. 2, wurde 1765 als „Rhathaus uf der Bach” erbaut. Im 19. Jahrhundert protestantisches Schulhaus, Geburtshaus von August Becker, beherbergt heute das Museu, das Büro des Bürgermeisters, den Ratssaal sowie Tourismusbüro und Gemeindebücherei. August Becker wurde am 28. April 1828 in Klingenmünster geboren. Mit seinem Hauptwerk „Die Pfalz und die Pfälzer“ (1857) wurde Becker zum Vater der Pfälzischen Volkskunde. In diesem Werk beschreibt er Dörfer, Landschaften, Gebirge, Flüsse, Gerätschaften, Handwerke und nicht zuletzt die Menschen der Pfalz. Seine Geschichten aus der pfälzer Heimat werden noch heute gerne gelesen. Das August-Becker-Museum ist gleichzeitig Heimatmuseum von Klingenmünster. 

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Öffnungszeiten des Museums:
Samstags 13.00 Uhr bis 14.30 Uhr
Sonntags 11.00 Uhr bis 12.00 Uhr

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Stifts-Dechantenhaus, Stiftsdechanei

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Weinstr. 69, wurde im Jahr 1575 von Dechant Nicolaus Will als Fachwerkhaus mit über Eck stehendem Erker und überdachter Freitreppe erbaut.

Das Untergeschoß beherbergt einen tonnen- gewölbten Keller mit charakteristischen Steinschiebern.

Beachten Sie bitte die Inschrift am Erker:
"NICLANS WILL DIESER ZEIT DECHANT ALHIE 1.5.7.5".

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Die Stiftsschaffnei

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ein 2-geschossiges Wohnhaus Ecke Weinstraße/Im Stift (Fam. Heiner Kuhn) wurde vermutlich in der 2. Hälfte des 16. Jhdt.s als Verwaltungsgebäude des Chorherrenstifts erbaut und 1748 von Johann Caspar Guerdan umgestaltet. Der Eckerker auf profilierten, an 3 Seiten mit Rosetten verzierten Renaissancekonsolen aus Buntsandstein (Steinmetzzeichen) stammt aus dieser Zeit. Durch weiteren Umbau im 18. Jhdt. wurde das Gebäude stark verändert. Es wurde ein profiliertes, ausladendes Walmdach mit rustizierten Ecklingen aufgesetzt. Die Erkerfenster und die profilierte Haube stammen aus dem Barock. Unter dem Erker befindet sich das Relief eines Mönchkopfes.

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Vor dem Haus steht der August-Becker-Brunnen, der 1907 zum Andenkenan den bekannten Schriftsteller und Heimatdichter errichtet wurde. Neben der Büste des Dichters sind auch Szenen aus seinem Roman „Hedwig„ dargestellt. August-Becker wurde am 28. April 1828 im protestantischen Schulhaus zu Klingenmünster geboren und verstarb am 23. März 1891 in Eisenach, wo er seit 1868 gelebt hatte. In den 30er Jahren wurde er „heimgeholt„ und fand in einem Ehrengrab auf dem Klingenmünsterer Bergfriedhof seine letzte Ruhe.
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Katholisches Schulhaus

erbaut 1827, mit 4:3 Fensterachsen und Portal in Rundbogenblende mit Inschrift

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Kloster und Pfarrkirche St. Michael

Das Benediktinerkloster Klingenmünster “Clinga Monasterium”, 626 bis 1565, ist Namensgeber und Keimzelle des Ortes. Es handelt sich wahr- scheinlich um das älteste der Urklöster Deutschlands. Da alle Dokumente beim Groß- brand im Jahr 840 vernichtet wurden, bezieht man sich mit dem Gründungsjahr 626 auf eine Inschrift in einem Fundamentstein, der bei Umbauten im 18. Jhdt. freigelegt wurde. Das Kloster soll auf Veranlassung des Merowingerkönigs Dagobert I. von iroschottischen Mönchen gegründet worden sein. Erste schriftliche Erwähnung findet sich in der „Fleidoliste„ des Klosters Reichenau als „de monasterio quod Clingo vocatur sive Plindinvelt„. Im Verbrüderungsbuch von St. Gallen wird es „de monasterio Clingone„ genannt.

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Man lebte nach den Regeln des heiligen Columban bis diese im 8. Jhdt. durch die Regeln des heiligen Benedikt (ora et labora) abgelöst wurden. Die Blütezeit des Klosters war zur Salier- und Stauferzeit ab ca. 850 bis ins 13. Jhdt. Die Mönche rodeten das Land und bauten Fronhöfe und Siedlungen, Kirchen und Kapellen. Ausbauorte des Klosters sind u. a. Pleisweiler-Oberhofen, Niederhorbach und Kapellen. Den Höhepunkt seiner Entwicklung mit hohem Stand an Bildung und Kultur hatte es unter Abt Stephan I. um 1100. Die Klöster bildeten damals die kulturellen und geistigen Zentren des Landes. Im Jahr 1223 sprach Papst Honorius St. Michael den besonderen Schutz des Klosters durch den Heiligen Stuhl aus. Zum Schutz der Abtei wurden im Verlauf der Jahrhunderte die drei Burganlagen Heidenschuh, Schlössel und Landeck errichtet.

Lageplan der ehemaligen Klostergebäude

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Der Niedergang des Klosters begann 1491 mit der Umwandlung in ein weltliches Chorherrenstift durch Papst Innozenz VIII. Während der Bauernkriege um 1525 wurde das Stift geplündert und mit Einführung der Reformation durch Kurfürst Friedrich III. im Jahr 1567 säkularisiert. Später wurde es wieder rekatholisiert, mehrfach umgebaut, teilweise abgerissen und erneut säkularisiert (siehe auch Freundeskreis Kloster Klingenmünster e.V.: „Klingenmünster im Wandel der Geschichte„). 1928 wurden Grabungen durchgeführt und die Basis der nördlichen Westsäulen des Schiffes freigelegt sowie der Boden entwässert.

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Erhalten sind bauliche Reste des Kirchenbaus von 1100: Das romanische Westwerk, die Doppelturmanlage mit Spindeltreppen, eine spätromanische Emporenkapelle und die Verbindung zum Abtshaus. Malereireste findet man nur noch über dem Chorbogen an der Ostwand (Umrisse einer Maria mit Kind). Ein ehemaliges südliches Querschiff (früher mit Apsis) ist heute Sakristei.
Reste des Ostflügels (Dormitoriumstür), renoviert 1990. Südlich zwischen den Hauptgebäuden schließt der ehem. Kreuzgang an die Kirche an. Es sind nur einige romanische Reste erhalten (zweiteilige Rundbogenarkade, Mittelsäulen mit Eckknollenbasis und Würfelkapitellen). Im Jahr 2001 wurde ein neues Kirchenfenster eingebaut, das der brasilianische Künstler „Sarro„ gestaltet hat. Die Klosteranlage war von einer schützenden Mauer umgeben. Mauerreste aus dem 13. Jhdt. befinden sich an der Nordseite, entlang des Klingbachs, zwischen Stiftsschaffnei und Pfarrgarten. 1996 wurde der ehemalige Klostergarten wieder als Kräutergarten angelegt.

Achtung: Aufgrund der Lage der Objekte empfehlen wir zunächst einen Abstecher zu Nr. 7!

Wenn Sie beim Übergang zu Nr. 6 “Guerdanhaus” den Durchgang “Im Winkel” wählen, durchschreiten Sie die schmalste Gasse von Rheinland-Pfalz, mit knapp einem Fuß Breite an der engsten Stelle.

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Guerdanhaus

Weinstr. 26 (früher hier südl. Ortseingang)

in den Jahren 1765/66 von Anton Ludwig von Guerdan erbaut. 2-geschossiges Barockhaus aus rotem Buntsandstein mit gebrochenem Walmdach. Die Hausecken sind durch rote Sandsteinlisenen gegliedert, eine doppelläufige Treppe führt zum Rokokoportal aus Sandstein.
Innen befindet sich eine gewundene Sandsteintreppe, Türen mit original Bändern, Griffen und Beschlägen. Das Haus hat zweiflügelige von Sandstein eingefasste Sprossenfenster, darüber reicher Rokokostuck in Form von Band- und Muschelwerk.
Zum Anwesen gehörten außerdem ein Gesindehaus, Scheune, Stall und Garten. Anton Ludwig von Guerdan war Husarenrittmeister, wurde 1762 als „Chevalier de la Croix de St. Louis„ geadelt und zum Obristenleutnant befördert. Er betrieb in dem Anwesen eine Leinenfabrik.

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Nachdem Guerdan wegen hoher Steuerschulden 1797 „von der Stelle gemacht un emigriert war„ wurde das Anwesen versteigert. Das Haus beherbergte bald darauf eine Bierbrauerei, dann die Gastwirtschaft „Pfälzer Hof„ und später einen Kohlen- und Baustoffhandel.

Seit 1987 ist das Anwesen wieder in Privatbesitz und wurde seitdem liebevoll restauriert. Der Barockgarten wurde vom heutigen Besitzer nach französischen und englischen Vorbildern neu angelegt. Neben dem Guerdanhaus befindet sich das ehemalige Gasthaus zum Ochsen (früher „Zum Roten Ochsen„), erbaut 1690 und 1837 umgebaut. Das Wirtshausschild stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jhdt.. Der Ochsenwirt rettete einen Stiftsbeamten bei revolutionären Unruhen im 18. Jhdt. vor Bauern aus Gossersweiler, die ihn an seiner Haustür aufknüpfen wollten.

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Napoleonsbank

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Die Bank steht in der Bahnhofstraße neben der Einfahrt zur Keysermühle. Insgesamt 125 dieser Bänke wurden auf Weisung Napoleon I., anläßlich der Geburt des heißersehnten Dauphin, im gesamten Departement Bas-Rhin aufgestellt, zu dem auch die Pfalz gehörte. Die Bänke wurden meist im Umkreis der Dörfer aufgestellt, damit die Landbevölkerung oben die Lasten (man trug Kopflasten) abstellen und aus„ruhen„ konnte.

Sogenannte „Ruhen„ haben eine sehr lange Tradition. Besonderheiten: In Klingenmünster hat die Bank oben keinen Sturz, nur Verstärkung der Wangen.
Im rechten oberen Kapitel findet sich eine Inschrift:
La Commune De Klingen Minster.
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Die Anlage der ehemaligen Stiftsmühle, später Keysermühle und heutigem Sebastian-Bach-Haus der evangelischen Landeskirche, lädt zu einem Spaziergang durch den beschaulichen Park ein.

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Bocksmühle

(auch Boxmühle, der Name kommt von Paxmühle)

Laut Inschrift erbaut um 1575, seit 1909 im Besitz der Fam. Klein, die den Betrieb 1910 einstellte. Der Sage nach wollten Schatzsucher an dem Ort einen Schatz bergen, der mit einem Bock abtransportiert werden sollte. Sie wurden dabei überrascht und mußten den Bock zurücklassen.
Die Mühle wurde als „Mahlmühle hinten am Dorf in der Hültzengaß„ 1752 erstmals schriftlich erwähnt. Der Name Boxmühle taucht erst 1842 im Urkataster auf. Vorher ist ihre Existenz nicht nachzuweisen, auch nicht auf den alten Rechnungen für Wasserzins. Eventuell wurde sie an diesem Platz erst im 18. Jhdt. als Nachfolger einer weiter hinten am Totenweg gelegenen Mühle erbaut. Das heute noch funktionsfähige Mühlrad hat einen Durchmesser von 3 m.

(Bild: Bocksmühle Nordansicht, im Vordergrund der Mühlbach)

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Kurpfälzisches Amtshaus

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Steinstr. 11-13, erbaut 1716 durch den Fauth (= Vogt, Kurpfälz. Amtmann/Statthalter) Georg Ludwig von Jungken in der "Steingaßen zu Clingenmuenster", nach der Zerstörung des ursprünglichen Amtssitzes auf der Burg Landeck im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1689) und Verfall (wegen Feuchtigkeit) des ersten, provisorischen Neubaus in den Hofwiesen.
Zum Anwesen gehören: Ein zweigeschoßiges Wohn-/Amtshaus mit Halbwalmdach und hohen Fenstern (10:3) sowie dem Portal an der Nordseite, Hofraum, Gärten, 2 Zehntscheuern, Nebengebäuden, Umfassungsmauern, Schreiberei mit Prison (Gefängnis) und Glockenstuhl und eine "Capell" (dem hl. Joseph geweiht, 1738 das Privileg Messe zu lesen, z.B. wenn es wegen Hochwasser nicht möglich war, ins

Stift zu gehen. Seit 1789 nur noch Glockenturm erhalten).
Das Amtshaus war Verwaltungssitz des Unteramts Landeck (Oberamt Germersheim). Um 1789 gehören zum Unteramt Landeck 20 Dörfer: Klingenmünster, Gleiszellen, Gleishorbach, Münchweiler, Silz, Stein, Völkersweiler, Lug und Schwanheim, Heuchel-heim, Göcklingen, Appenhofen, Insheim, Mörzheim, Wollmesheim, Offenbach, Bornheim, Oberhochstadt, Schwegenheim und Lingenfeld.

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Nach dem Besuch des Amtshauses gelangt man über die Steinstraße zum Ausgangs- punkt zurück.
Für Interessierte verweisen wir noch auf einen Meilenstein (Bild links) oder Stundenstein, der sich an der Weinstraße am nördlichen Ortseingang (gegenüber Tankstelle) befindet.

Bereits die Römer hatten Meilensteine:
    Meile = Mille Passum = 1000 Doppelschritte zu 1,48 m.
    Als die Pfalz zu Bayern kam, gab es bayerische Meilen:
    Meile = 2 bayrische Wegstunden zu 12703 Schuhen = 3,707 km.
1833 wurden im bayrischen Rheinkreis an Bezirksstraßen einheitliche Stundensäulen aufgestellt. Es handelt sich um runde Steine von 1,90 m Höhe und 55 cm Durchmesser.
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Eine Information zum Rundgang im historischen Ortskern erhalten Sie im Tourismusbüro Klingenmünster
Im Stift 11
Telefon 06349-92 80 92

Oder als PDF-download (4,52 MB) hier (Klick auf das Bild)

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Informationen unter  bernd@klingenmenster.org