W4 – Drei Burgen Wanderung (9,1 km)

Kulturhistorische Wanderung zu 3 Burgen mit 1200 Jahren Geschichte.
Schwierigkeit: Im Aufstieg in steilen Abschnitten anstrengend, sonst leicht; Höhenunterschied 385 m; Wegstrecke ca. 9,1 km.

W4_Höhenprofil

Routenverlauf Wanderung 4 - 3-Burgen-Wanderung

Routenverlauf Wanderung 4 – 3-Burgen-Wanderung

Auf der Weinstraße in nördl. Richtung biegen wir bald über die Brücke rechts in den Weg „Am Sauerbrünnel“, der uns entlang der alten Klostermauer kurz darauf erneut über den Bach führt. An der Straßeneinmündung des Fußweges wenden wir uns nach links und wandern an Gärten und Weideland vorbei, überqueren die „Lettgasse“ und gehen durch den „Kahngarten“ zur „Weinstraße“.

Meilenstein

Meilenstein

Oberhalb des Kreisverkehrs führt uns ein Wirtschaftsweg nach links in die Weinberge (Meilenstein), der nach ca. 200 m auf die „Alte Straße“ trifft. Hier biegen wir rechts ab und erreichen nach etwa 1/2 km über einen kurzen, aber lohnenden Abstecher die um 1190 erbaute Nikolauskapelle (Öffnungszeiten siehe Aktuelles).

Auf der „Alten Straße“ geht es vorbei an Burgenweg100Gebäuden des Pfalzklinikums zum Burgenweg (Markierung s. rechts), der hier auf dem „Johannaweg“ verläuft und ca. 50 m vor der Schranke links zur Burg „Schlössel“ abbiegt und bald steil ansteigt.

 

Nach Querung eines breiten Waldweges steigen wir über ein paar Stufen in den schmalen Fußweg zur Ruine Schlössel ein. In steilen Kehren führt uns der Steig hinauf zur Ringwallanlage, die die äußere Begrenzung der Burg Schlössel darstellt. Der Weg kreuzt den äußeren Wall bei etwa 322 m Höhe. Der steinerne Wall ist hier noch deutlich zu erkennen. Wir bleiben auf dem Weg, der uns weiter zum inneren Wall und zu einer Schautafel bringt, auf der die Ringwallanlage erklärt wird. Von hier führt uns der Weg über Tor 1 hinauf auf das „Schlossköppel“ in etwa 355 m Höhe zur Ruine der Burg aus salischer Zeit. Der ursprüngliche Name der Burg ist nicht endgültig erforscht. Die Bezeichnung „Schlössel“ oder „Waldschlössel“ stammt von Bauern aus der Umgebung. Um 1030/1050 wurde die Kernburg als Adelsburg auf einer natürlichen Felsenkuppe errichtet, die als höchster Punkt Teil der viel älteren und größeren Fliehburg war, die wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert erbaut wurde.

Film zur Burg „Schlössel“ anschauen.

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Ruine Schlössel von Südwesten

Wir betreten die Burganlage durch das äußere und innere Tor im ehemaligen Torturm, der in den verschiedenen Bau- und Nutzungsphasen mehrfach umgebaut wurde. Im Burghof finden die Besucher eine Tafel, die ausführlich über interessante Forschungsergebnisse aus „25 Jahre Archäologie Schlössel“ informiert. Und wer ein wenig Glück hat, kann den archäologischen Ausgrabungen zusehen.

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Die Anlage der Ruine Schlössel

Von Tor 1 führt der Burgenweg zunächst bergab in eine Senke und dann halbrechts wieder bergan auf eine kleine Kuppe. Hier sehen wir rechts und links des Weges verfallene Laufgräben aus neuerer Zeit. Hinter der Kuppe trifft der Weg nach einer Linkskurve auf den breiten Hauptweg. Wir orientieren uns an den Hinweisschildern des Burgenweges und steigen weiter bergauf Richtung Heidenschuh. Stellenweise führt der Steig durch einen steinigen und steilen Hohlweg, bevor er sich nach rechts wendet und wieder zahmer wird. Nach wenigen Minuten erreichen wir den Aussichtspunkt auf der Nordostspitze des Heidenschuhs mit Blick auf die gegenüberliegende Madenburg und in die Rheinebene.
Die Ruine Heidenschuh, eine frühmittelalterliche Fliehburg, wurde vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert in 430 bis 455 m Höhe auf der Nordostspitze des Heidenschuhs erbaut. Der Name „Heidenschuh“ ist wahrscheinlich gleichbedeutend mit „Riesenschuh“ und leitet sich von der Form des Berges ab.

Film zum Heidenschuh anschauen.

Kurz vor dem Aussichtspunkt des Heidenschuhs betreten wir die Fliehburg von Südwesten, wo der Burgenweg bei etwa 430 m Höhe auf die kaum sichtbaren Reste der äußeren Abschnittsmauer trifft. Mauerreste der aus Natursteinen aufgeschichteten Stützmauern sind heute noch zu entdecken. Nach Südwesten wurde die Fliehburg auf dem sich hier verbreiternden Bergrücken durch zwei Abschnittsmauern begrenzt. Eine Informationstafel gibt Auskunft über die ehemalige Burganlage, die vermutlich mit dem Bau des „Schlössel“ aufgegeben wurde.

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Heidenschuh, Tor der inneren Abschnittsmauer

Nach Erforschung der über tausend Jahre alten Mauern wandern wir auf dem Burgenweg über den Bergrücken weiter in südwestlicher Richtung. Der Wegverlauf auf dem Heidenschuh wird wegen seiner vielen interessanten Aspekte und der beeindruckenden Ausblicke auf Hahnsteine, Rehberg und Trifels, als einer der schönsten Wanderwege im Pfälzerwald beschrieben. Dort, wo der Weg nach Waldhambach steil hinunter führt, wenden wir uns wieder leicht ansteigend nach Süden, bis der Burgenweg nach etwa 120 m rechts abbiegt und auf der Ostschulter des Treutelskopfes links zum Martinsturm (westlich) abzweigt.
Nach weiteren 50 Höhenmetern erreichen wir den Treutelskopf, den mit 503 m höchsten Punkt der Gemarkung Klingenmünster und den Martinsturm, der eine beeindruckende Rundumsicht bietet und zur Gipfelrast einlädt.

Film zum Martinsturm anschauen.

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Auf dem Martinsturm

Benannt ist der 1886 erbaute Martinsturm nach Martin Waldthausen, einem früheren Patienten des heutigen Pfalzklinikums, dessen wohlhabende Familie den Bau des Turmes finanziert hat. Im letzten Krieg wurde der Turm als Beobachtungsposten genutzt.
Der Abstieg beginnt knapp 100 m nordwestlich des Turmes, wo der Burgenweg westlich des Vorplatzes hinabführt. Der Weg wendet sich bald nach Südosten und bietet beeindruckende Ausblicke über das obere Klingbachtal und die Berge um Silz und Gossersweiler-Stein. Bevor der Weg nach Osten biegt, liegt rechter Hand der „Weiße Felsen“, der den kurzen Abstecher auf sein Plateau mit Blick ins idyllische Klingbachtal und den gegenüber liegenden Abtskopf belohnt.

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„Weißer Felsen“ – Blick über das Klingbachtal zum südlich gelegenen Abtskopf

Von hier wandern wir auf dem Burgenweg weiter zur Landeck, der dritten Burg.
Die Burg Landeck wurde als jüngste Schutzburg des Klosters Klingenmünster vermutlich um 1180 erbaut. Als Reichsburg gehörte sie mit zum Ring der Vorburgen des Trifels.

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Burg Landeck thront über dem Klingbachtal

Die Landeck ist eine typische Stauferburg, deren Grundriss und bauliche Details durch die vorhandene Topographie entscheidend beeinflusst wurden. Sie wurde in 305 m Höhe auf gewachsenem Fels errichtet, der in die Fundamente einbezogen ist. Der 11 m tiefe Burggraben (Halsgraben) wurde künstlich angelegt. Die dabei gebrochenen Steine wurden beim Bau der Burg verarbeitet. Charakteristisch ist auch die Verwendung von Buckelquadern mit Randanschlag.
Der einzige Zugang zur Burganlage führt von Norden über eine auf Pfeilern gelagerte Holzbrücke, deren letztes Drittel früher als Zugbrücke ausgelegt war, durch das äußere Burg- oder Brückentor. Über dem Tor erhob sich früher ein rechteckiger Turm, dessen Mauerreste noch heute bis zur Scheitelhöhe des Tores reichen. Durchs Vorwerk gelangen wir zum inneren Tor in der Zwingermauer.

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Die Burgruine Landeck

Die Zwingermauer mit ihren 6 Türmen wurde im Jahr 1416 als äußerer Schutzgürtel errichtet. Die Mauern bestehen aus kleinen Quadern und Bruchsteinen. Nur die Gewändesteine der Schießscharten sind aus Hausteinen gefertigt.
Die Ringmauer der Kernburg ist zur Angriffsseite stärker und höher ausgebildet (Schildmauer) als zur Talseite. Ob als oberer Abschluss ein Wehrgang vorhanden war, ist unklar. Bei Stauferburgen waren Wehrgänge nicht üblich, auf den Schildmauern kamen sie aber manchmal vor. Im nördlichen Teil der Schildmauer befindet sich auch das Haupttor, durch das man in den Burghof gelangt. Im Burghof dominiert der Bergfried, einer der besterhaltenen seiner Zeit in der Pfalz. Der Bergfried ist fast quadratisch angelegt und hat eine Höhe von ca. 25 m. Vom Biergarten im Burghof genießen wir die Fernsicht über die Rheinebene hinüber zu Odenwald und Schwarzwald.
Quellenweg100Zum weiteren Abstieg folgen wir dem Quellenweg (Markierung s. links), vorbei am historischen Widder, über „Obere Hofwiese“, „Landeckstraße“ und „Totenweg“ ins Tal hinunter. Dann schlendern wir am Klingbach entlang zum Ausgangspunkt in der Ortsmitte.

Gerne können Sie sich die Beschreibung dieser Wanderung hier downloaden 10wanderungen_2015_W4